In Potsdam shoppen: Bei “Just Merino” neue Lieblinge entdecken

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Die Praktikums-Piratin muss gehen | Teil 3
Kategorien: Fachhandel|Interviews|Kunden

Connemara setzt auf nachhaltig stationärem Einzelhandel, das Potsdamer Fachgeschäft „Just Merino“ auf Lieblingsstücke und Klassiker.
Eine Bauernweisheit sagt: Die coolsten Hirten haben die schönsten Pullover. Das können wir nur bestätigen.
Wer also neue Modelle der Connemara-Kollektion in Potsdam shoppen will, kann hier einen Blick auf die Wiese werfen. Man muss schließlich wissen, wohin die Shopping-Reise führen soll! Auch für uns ist es eine wichtige Entscheidung, wem wir unsere Pelze oder: unsere Wolle anvertrauen. Bei aller Verschiedenheit eint uns jedoch die Vorliebe für langlebige, hochwertige Mode. Shoppe, wer da will!
Wir werden also unsere Pullover–Hirtinnen und -Hirten hier in loser Folge vorstellen.
Heute treffen wir in Potsdam Tina Wrede, die mit ihrem Mann Jens Wrede ihr Fachgeschäft „Just Merino“ führt.

Standort: Just Merino | Gutenbergstraße 99 | 14467 Potsdam

Tina und Jens Wrede in ihrem Shop Just Merino in Potsdam
Tina und Jens Wrede gehören zu unseren Hirten in Potsdam.

Welcher Stil prägt Euren Laden?
Solid basics! Das beinhaltet alles, was man aus Wolle machen kann. Wir sind also keine Boutique, sondern ein Merino-Produkte-Fachgeschäft. Klar gibt es hier modische Kleidung, aber nichts, was nur eine Saison lang getragen wird. Der Standardbegriff dafür ist zwar „Lieblingsstücke“, aber wir wollen eigentlich mehr als das: Wir wollen unserer Kundschaft vor allem wirklich gute Waren anbieten: schön, langlebig, klassisch und vor allem fair produziert! Deshalb haben wir auch ein sehr breites Sortiment, von der Sohle bis zum Scheitel soll man hier alles finden können, was man aus Wolle machen kann. Wir haben deshalb Pullover, Jacken, Röcke, Kleider, Hosen, Accessoires – aber auch Unterwäsche, Strumpfhosen, Funktionsbekleidung, sogar Bettdecken. Wir sehen hier mit Begeisterung, wie man die Wolle heute zwirnen kann, so dass ihre Trageeigenschaften erhalten bleiben, aber die Funktion eine ganz andere wird – wie bei dieser Freizeithose hier. In den Potsdamer Neuesten Nachrichten wurden wir mit unseren Konzept auch schon vorgestellt.
Wo holst Du Dir Deine Inspirationen?
Inspiration bekommen wir meistens von unseren Kunden. Die kommen zu uns und sagen, was sie wollen. Ich war von Anfang an verwundert darüber, wie wahnsinnig informiert sie sind – über Nachhaltigkeit etwa oder Tierhaltung. Von unseren Kunden stammen auch die Tipps für die besten Woll-Waschmittel. Sie haben uns auch schon Labels vorgeschlagen, die wir unbedingt mit aufnehmen sollten. Manche Anregung holen wir uns auch auf den Messen. Wenn wir dort ein Label sehen, das uns gefällt, dann tragen wir es ein Stück aus der Kollektion für ein halbes Jahr zur Probe und entscheiden dann, ob wir es in den Laden mit aufnehmen. Es muss aber nicht nur die Qualität, sondern auch deren Philosophie zu uns passen. Wenn das nicht hinhaute, dann haben wir uns auch schon wieder von einem Label getrennt.
Hast Du ein Vorbild für Deinen Style?
Hm. Meine Mutter hat gelacht, als ich sagte: Ich mache einen Klamottenladen auf. Weil mir Mode nie im Leben was gesagt hat. Aber wir machen hier ja viel mehr als das, und ich habe tatsächlich ein Vorbild: Das ist der Laden „Gummi-Grün“ am Kölner Neumarkt. Die haben einfach alles, was man aus Gummi machen kann! (Ehemann Jens Wrede surft kurz im Internet vorbei: „125 Jahre sind die jetzt schon alt!“, wirft er ein.)
Warum bist Du denn eigentlich Einzelhändlerin geworden? 
Ich wollte immer einen ganz kleinen Laden haben, vorne ein Tresen, hinter mir ordentliche Regale. Und wenn ein Kunde in den Laden kommt und sagt, er will ein blaues T-Shirt, dann wollte ich hinter mir ins Regal greifen, fragen: Welche Größe? Welches Blau? Und so alles ganz genau beantworten und das Richtige haben.
Wie im Tante-Emma-Laden?
Im Prinzip schon. Bei vielen Sachen geht das ja jetzt schon, wir bestellen und beschaffen ja auch, wenn unsere Kunden etwas Besonderes haben wollen. (Stimmt! Während des Gespräches kommt eine ältere, beleibte Dame herein und fragt, ob sie das wunderbare Strickkleid auch in ihrer Größe haben könne. „Kein Problem“, sagt Tina Wrede. Die Bestellung geht gleich raus. Fragen, antworten, nachschlagen und bestellen – dauert keine zehn Minuten.)
Wir wollen unseren Kunden die Sammel- und Sucharbeit abnehmen. Sie sollen hier auch in Ruhe die Sachen anprobieren können. Das kann man ja nicht, wenn man im Internet bestellt. Man muss erst bezahlen, das Paket abwarten, das, was nicht passt, zurückschicken – und die Retouren werden ja in vielen Fällen geschreddert. Das widerspricht so ziemlich allem, wofür wir stehen. Und was unsere Kunden wollen.
Wir haben aber, auch nach sechs Jahren, immer noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. An Jeans sind wir bislang immer gescheitert: eine richtige ist eben aus Denim und nicht aus Merinowolle.

Trina Wrede prüft auf der Premium 2019 die Muster.
Auf der Fashion Week in Berlin kauft Tina Wrede regelmäßig ein.

Mein Style – Dein Style:

Wie siehst Du aus, wenn …
…. Du morgens zur Arbeit gehst?
Immer unterschiedlich – je nachdem, wie ich mich fühle! Mal sportlich, wie heute, mit Jeans, Woll-T-Shirt und bei Bedarf mit Strickjacke, mal komme ich lieber elegant. Einen Dresscode haben wir hier im Laden nicht. Das war früher anders, als wir in der Finanzbranche gearbeitet haben. Das ist hier für mich schon eine Befreiung. Und das überträgt sich auch auf die Leute, die zum Shoppen hereinschauen!
… Du mit Deinen Freunden eine gute Zeit hast?
Also, wenn wir nicht gerade ins Varieté gehen, dann etwas Bequemes! Eigentlich immer irgendwas mit Wolle.
Du echt jemanden beeindrucken willst?
Natürlich was aus unserem Laden! Zu dem runden Geburtstag einer Freundin habe ich letztens ein Connemara-Kleid getragen, Modell Gaby, aus Jersey, mit einer Strickjacke darüber.
Eigentlich immer tragen wir aber diese hauchdünnen Merino-Pullover von Connemara unter unseren Jacken. Bei uns kaufen auch viele Männer die Damen-Modelle, weil die schmaler sind. Und das funktioniert wunderbar.  Oft sind die Damenmodelle auch farblich interessanter.
Auf die Idee wäre ich nie gekommen!
Doch! Die Größenfrage ist was ganz Grundlegendes bei uns! Früher habe ich immer gedacht, dass die Label zu wenig große Größen herstellen. Man kennt das ja: Was im Laden hängt, das scheint gar nicht zu den Leuten zu passen, die man auf der Straße sieht. Wo kaufen die ein? Die Modelle hängen in den Läden in S und M, und den Leuten passt nur eine XL. Aber die gibt es nicht. Also habe ich für uns ganz viele große Größen bestellt, damit wir auf Spontan-Shopper vorbereitet sind – und die Kunden, denen sie passen würden, die probieren sie gar nicht erst an! Selbst wenn sie danach gefragt haben!
Warum?
Sie denken, das kann ja gar nicht sein, dass das passt! Sie haben zu wenig Selbstbewusstsein. Dabei würde Strick am ehesten auch in großen Größen passen, weil er alles mitmacht. Wir verkaufen hier in Potsdam übrigens aus Prinzip alles, was wir im Laden haben, und wir geben nichts an die Hersteller zurück, damit auf gar keinen Fall etwas geschreddert wird. Aber gerade bei den großen Größen dauert es schon einmal etwas länger, bis sie von der Stange an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Woher kennen wir uns?

Kannst Du dich eigentlich noch an Deine erste Begegnung mit Connemara erinnern?
Ja, klar! Eine Kundin kam in unseren Laden in Potsdam – beim Shoppen! – und hat gesagt, sie kennt eine ganz tolle Marke, die heißt Connemara – von der hätte sie immer noch was im Schrank. Ich habe mich dann mit den Besitzern in Verbindung gesetzt, mir eine Kollektion auf der Messe in Berlin angeschaut – und so Jens kennen gelernt. Seither haben wir Connemara im Sortiment. Das Label läuft gut in Potsdam. Hier kam auch schon mal eine Kundin rein die sagte, sie kennt die Marke noch von früher – sie hätte seit 30 Jahren Jacken und Pullover von ihnen im Schrank. Die haben alle Schwangerschaften mitgemacht und sind immer noch gut tragbar!
Wir setzen tatsächlich schon sehr lange auf Nachhaltigkeit. Hast Du auch ein gutes Stück von uns seit langer Zeit im Schrank?
Ganz viele! Diese dünnen Merino-Pullover und natürlich „Gaby“ – in schwarz!
Was war, modisch gesehen, die klügste Entscheidung, die Du je getroffen hast?
Merinowolle zu tragen! Ich bin Neurodermitikerin. Das hat meine Mutter herausgefunden, als ich ein halbes Jahr alt war. Die Merinowolle ist super für meine Haut. Und klug war natürlich auch, auf Plastikanteile in der Kleidung zu verzichten.
Hast Du eigentlich je einen echten modischen Fehlgriff getan?
Die Karottenhose! Die hat mir aber damals meine Mutter gekauft, die waren ja auch modern.
Wenn Du der Modewelt etwas für die Zukunft mitgeben dürftest – was wäre das?
Jens
(sofort): Kauft kein billiges Zeug! Shoppt nicht jeden Quatsch!
Tina: Ich würde den Kunden mitgeben: Lasst Euch nicht indoktrinieren! Und lasst Euch nicht vorschreiben, was schön ist! Und lasst Euch nicht sagen, Ihr seid zu alt fürs Blümchenkleid!
Eine Frage zum Schluss: Mit welcher Mode-Ikone würdest Du gerne einmal zu Abend essen?
Jens:
Mit Audrey Hepburn!
Tina:
Die einzige Frau, an der auch eine Karottenhose gut aussähe! Ich würde gerne mit Sarah Jessica Parker ein Paar Schuhe von Manolo Blahnik kaufen und danach einen GinFizz trinken gehen – in Boston. 

Besten Dank für das Gespräch!

Fotos und Text: Stefanie Schuster

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