Connemara in Schöneberg shoppen

Kategorien: Berlin, Fachhandel, Interviews, Kunden

Connemara in Schöneberg shoppen

Unsere vielleicht bunteste Einzelhändlerin, Saule Moldakulova, mit ihren Standorten am Winterfeldplatz und in der Goltzstraße, setzt vor allem auf satte Farben und schmeichelnde Formen. Individuelle Mode kann man bei ihr in Schöneberg shoppen. Besucherinnen finden dort konsequenterweise nur das, was die Besitzerin auch für sich einkaufen würde – und dazu ein nettes Gespräch mit einer außergewöhnlichen Frau, die wir jetzt vorstellen wollen. Saule stammt aus dem kirgisischen Bischkek und hat einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Energie. Der Handel liege ihr im Blut, sagt sie – wie die Mode. Deshalb entwirft sie seit einigen Jahren auch eigene Kollektionen, vor allem Kleider und Schmuck. Inspirieren lässt sie sich dabei durch ihre Kindheitserinnerungen.

Saule Moldalukova von Saule Moden und Jens König von Connemara - Spezialisten für individuelle Mode.
Saule Moldakulova und Jens König mit Conny (Schaf in der Mitte)

Name: Saule Moldakulava
Standort: Berlin, Schöneberg
Adresse: Saule Mode, Goltzstraße 48 und Winterfeldtstraße 44 in 10781 Berlin
Telefon: 0152-08812972

An einem sonnigen Morgen wie diesem kommt Saule immer auf ihrem Fahrrad. Im schmalen Bleistiftrock, grasgrünem Seidenstrick-Pulli, mit extralangen Ohrringen und zierlichen Mules hüpft sie vom Rad, bindet es schnell an, zieht die Rollgitter ihres Shops hoch, stellt und hängt die großen Geranientöpfe vor die Ladentür, zupft hier, schiebt da, lacht. So früh zieht es jene, die in Schöneberg shoppen gehen, aber noch nicht in ihren wohlgeordneten, kostbar eingerichteten Laden. So bittet Saule zum Gespräch nicht auf die kleine, lachend-pinkfarbene Sitzgarnitur vor der Tür, sondern ins nebenan liegende Café. Dort gibt es eine herzliche Begrüßung mit der Inhaberin (auf türkisch), Cappuccino und mürbes Gebäck. Vorbeikommende Kundinnen grüßen, winken, sehen: die Chefin kann gerade nicht. „Wir kommen später wieder“, rufen sie, quer über die Straße. Saule, so scheint es, kennt alle. Und alle kennen Saule. 

• Saule, welcher Stil prägt Deine Shops?

Oh, das ist leicht! Mein Thema ist immer: Möglichst bunt, bitte! Wenn ich einkaufe, dann immer mit dem Ziel: Her mit der guten Laune! Und das geht am besten mit Farbe. Die monochromen Trends der vergangenen Jahre habe ich deshalb gar nicht mitgemacht. Auch den schwarz-weißen nicht! Das sind ja gar keine Farben! Meine Lieblingsfarben sind Rot, Orange und Blau. Meine Shopeinrichtungen habe ich mir auch selbst zusammengestellt: Ich habe es gerne elegant und individuell! Den Kronleuchter hier habe ich mir deshalb als Bausatz kommen lassen, weil ich die anderen Lampen alle nicht schön genug fand! Er besteht aus hunderten von Einzelteilen und es hat ewig gedauert, ihn zusammenzusetzen – aber ich wollte ihn unbedingt haben.

Selbst entworfener Schmuck von Saule Moldakulova - in Schöneberg shoppen macht glücklich.
Saule entwirft auch Ohrringe für ihren Shop.

Ich führe in meinen Läden nur Damenmode. Der Stil ist überwiegend feminin, denn ich kaufe nur ein, was ich auch selbst tragen würde. Deshalb habe ich auch mehr Kleider im Angebot als meine Mitbewerber. Meine Kunden schätzen das, das höre ich immer wieder. Und deshalb passt auch Connemara so gut zu mir: Da finde ich immer sehr schöne Kleider, auch mit Mustern und Farbe, und die Qualität ist sehr gut! Dieser schwere Jersey fällt immer sehr schön – das ist perfekt im Winter! Ebenso die Strickkleider. 

Wo holst Du Dir Deine Inspirationen?

Meine Vorstellungen von Mode habe ich mir schon mitgebracht von Zuhause, denn meine Inspiration kommt aus meiner Kindheit! Ich bin in Bischkek geboren, der Hauptstadt von Kirgisistan. Die Stadt liegt an der Seidenstraße. Dort hat man immer schon mit Stoffen gehandelt – mit bunten vor allem. Seide spielte natürlich die größte Rolle, aber auch Wolle. Und Muster! So viele Muster! Manchmal, wenn hier Modeschöpfer „neue“ Designs vorstellen, dann denke ich: Ah, das kenne ich doch schon! Meistens werden dann nämlich alte, traditionelle Muster aus meiner Heimat nur kopiert. Das ist schön, aber eben nicht neu. Es ist ähnlich, was den Schmuck angeht: Bei uns, in Kirgisistan, tragen die Frauen immer Schmuck – alle haben Ohrringe. Mit drei Jahren bekommen die Mädchen Ohrlöcher und Schmuck – und so schön, wie es ihn hier überhaupt nicht gibt! Deshalb mache ich auch viel von den Accessoires, die ich in meinen Läden verkaufe, selbst. Meistens nachts, weil ich am Tage keine Zeit habe. Ich würde auch gerne noch mit anderem Material arbeiten als mit den Swarowski-Perlen, die ich jetzt vorwiegend benutze. Bei uns, in Kirgisistan, nimmt man gerne altes, geerbtes Gold und macht daraus neuen Schmuck. Dieses hellgelbe Gold, das man hier verarbeitet, kennen wir zu Hause gar nicht. Wir nehmen nur 900er oder 585er Gold – das hat einen ganz anderen Glanz! 

Ein ganz besonderes Erinnerungsstück - Saules Ring.
Den Ring hat Saule in einem Workshop in Istanbul selbst gegossen. Das Gold hat sie aus einer Medaille geschmolzen, die ihre Großmutter für die Geburt ihres sechsten Kindes bekommen hat.

• Hast Du ein Vorbild für Deinen Style?

Die Frauen der Seidenstraße! Ich kleide mich nicht europäisch – so hebt sich mein Laden auch von den anderen ab! Ich setzte auf feminine Mode, trage immer Kleider, Röcke, Schmuck und Nagellack. Es steckt so viel gute Laune in der Farbe! Das will ich weitergeben! Mein eigener Stil hat sich eigentlich nie sehr verändert. Und auch in Schöneberg shoppen die Frauen gerne genau das bei mir.

• Warum bist Du denn eigentlich Einzelhändlerin geworden?  

Ich liebe schöne Kleidung! Und wollte immer schon Designerin werden, habe auch an einer Privatschule eine Schneiderausbildung gemacht. Weil meine Eltern das gerne wollten, habe ich dann aber doch etwas anderes studiert: Wirtschafts- und Außenpolitik, da habe ich auch meinen Abschluss gemacht. Aber dann bin ich in die Modebranche eingestiegen, habe in Istanbul für Großhändler gearbeitet und in Paris für große Firmen Shops eingerichtet. Eines Tages, da arbeitete ich gerade für einen Kunden im Kadewe, habe ich den Laden in der Goltzstraße gesehen und wusste: Den will ich mal haben! 2015 habe ich ihn dann übernommen. Und 2016 kam dieser am Winterfeldplatz dazu. Ich glaube, das Handeln und die Mode liegen mir einfach im Blut. 

• Wie siehst Du aus, wenn …

… Du morgens zur Arbeit gehst?

So wie heute! Ich trage immer einen Rock oder ein Kleid, roten Lippenstift, Nagellack und Schmuck, mindestens Ohrringe! Das ist für mich Schönheit!

…  Du mit Deinen Freunden eine gute Zeit hast?

Im Prinzip genauso – ich verkleide mich nicht, wenn ich zur Arbeit gehe. Ich trage das alles immer sehr gerne! Aber es hängt natürlich davon ab, wohin wir gehen!

… Du echt jemanden beeindrucken willst?

Hohe oder sehr hohe Schuhe zum Kleid! Und das Kleid ist dann meistens rot!

Den Kronleuchter in ihrem Laden hat Saule selbst zusammengesetzt.

• Kannst Du dich eigentlich noch an Deine erste Begegnung mit Connemara erinnern?

Oh ja! Ich habe schon als Studentin in einem Laden gearbeitet, und die hatten dort Connemara! Davon war ich total begeistert! Das war für mich natürlich damals viel zu teuer. Ich musste also lange sparen, bis ich mir das erste Stück von dieser Mode im Shop leisten konnte. Als ich aber den Laden übernommen habe, habe ich sofort Kontakt mit Jens und Matthias aufgenommen – ich wollte diese Firma unbedingt in meinem Laden haben! Seitdem trage ich im Winter immer Connemara-Kleider und Connemara-Pullover! Ich mag auch, dass die Stücke immer alle zusammenpassen!

• Wir setzen tatsächlich schon sehr lange auf Nachhaltigkeit. Hast Du auch ein gutes Stück von uns seit langer Zeit im Schrank?

Oh, ja! Einen schwarzen Mantel mit roten Ornamenten! Und als ich meinen Laden eröffnet habe, trug ich ein Connemara-Kleid mit dem dazu passenden Pullover – das war am 1. Oktober 2015.

• Was war, modisch gesehen, die klügste Entscheidung, die Du je getroffen hast?

Bei meinem eigenen Stil zu bleiben! Man wird ja auch heute sehr ermuntert von den Designern, sich selber treu zu bleiben und dem eigenen Geschmack zu vertrauen – obwohl es nicht immer cool ist, schmale Röcke zu tragen. Ich ermuntere auch meine Kundinnen dazu: Schmale Röcke, überhaupt Röcke, sehen eigentlich an jeder Frau gut aus. 

• Hast Du eigentlich je einen echten modischen Fehlgriff getan?

Nein, ehrlich nicht! Ich stehe hinter jedem einzelnen Stück, das ich verkaufe! Und wenn ich etwas absolut nicht verkaufen kann, dann trage ich es eben selbst. (Lacht.) Das kommt aber eigentlich nie vor. Früher oder später findet sich für alles eine Liebhaberin! Eigentlich schade.

• Wenn Du der Modewelt etwas für die Zukunft mitgeben dürftest – was wäre das?

Nicht übertreiben! In der Mode geht´s um Kleidungsstücke, die uns schön machen sollen – das ist ihr Sinn! Doch manchmal komme ich auf den Messen in Hallen, da tragen die Einkäufer Sonnenbrillen, mit denen sie vor allem zeigen wollen, wie cool sie sind und wieviel Geld sie haben. Ich denke dann: Leute, ich will die Kleider sehen – und nicht, wieviel Ihr damit schon verdient habt! Ich bin dafür, dass auch die Designer maßvoll bleiben. Die Mode soll vor allen Dingen ihre Träger schmücken! 

• Eine Frage zum Schluss: Mit welcher Mode-Ikone würdest Du gerne einmal zu Abend essen?

Da fallen mir zwei ein! Einmal mit Sarah Jessica Parker, der Schauspielerin aus Sex and The City – weil sie so krumme Beine hat, aber die besten Schuhe dazu anzieht und so läuft, als wäre sie die schönste Frau der Welt – und das funktioniert! Dieses Selbstvertrauen wünsche ich allen Frauen, denn das ist es, was sie schön macht. Das kann man in Schöneberg shoppen! Auch bei mir! Und sehr gerne würde ich auch Madonna einmal treffen – das wäre echt das Größte! Weil sie neben allem anderen auch eine echte Trendsetterin ist. Allein, wie sie es geschafft hat, die Netzstrümpfe wieder modern zu machen! Die trage ich auch gerne!  

Besten Dank für das Gespräch!

Fotos und Text: Stefanie Schuster

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